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IMMO 2014: Kluge Ideen für das Wohnen der Zukunft

Alle reden vom Energiesparen – und ausgerechnet ein anerkannter Experte fordert uns zum intelligenten Verschwenden von (Solar-)Energie auf. Professor Timo Leukefeld berät die Bundesregierung, aber auch Hausbesitzer und Handwerker. Auch auf der Immobilien-Messe der „Pforzheimer Zeitung“ war die Botschaft des sächsischen Energiewissenschaftlers gefragt – er füllte am Samstag Vormittag den Vortragssaal im Pforzheimer CongressCentrums (CCP).

IMMO 2014: Kluge Ideen für das Wohnen der Zukunft

Auge in Auge mit der Politik: Professor Timo Leukefeld (links) und CDU-Bundestagsabgeordneter Gunther Krichbaum (rechts) mit Prominenz aus Politik und Wirtschaft beim Rundgang über die IMMO. Ketterl

Alle reden vom Energiesparen – und ausgerechnet ein anerkannter Experte fordert uns zum intelligenten Verschwenden von (Solar-)Energie auf. Professor Timo Leukefeld berät die Bundesregierung, aber auch Hausbesitzer und Handwerker. Auch auf der Immobilien-Messe der „Pforzheimer Zeitung“ war die Botschaft des sächsischen Energiewissenschaftlers gefragt – er füllte am Samstag Vormittag den Vortragssaal im Pforzheimer CongressCentrums (CCP).

Ingesamt kamen am vergangenen Wochenende wieder 3200 Besucher zur IMMO-Messe der Pforzheimer Zeitung. Leukefelds kurzweiliger Vortrag traf den Nerv der Besucher aus Pforzheim und der Region – selbst aus Stuttgart waren Zuhörer gekommen. Denn der Referent räumt schonungslos mit weit verbreiteten Vorurteilen auf. Die Energiewende sei in dieser Form nicht zu schaffen – oder aber sie führe zum Kollaps der Netze und zu weiter steigenden Strompreisen. Ein Beispiel: mit einem Geschirrspüler heizen wir kaltes zufließendes Wasser mit einem Elektroheizstab und viel Strom für knapp 30 Cent pro Kilowattstunde (kWh) auf. Schließt man das Gerät aber an das Warmwasser aus einer Wärmepumpen an, kann man das warme Wasser zum Beispiel vom Gaskessel für sieben Cent bereitstellen. „Besser wäre es, den Geschirrspüler gleich an eine Sonnenwärmeanlage anzuschließen, dann kommt das warme Wasser gratis und ganz umweltfreundlich.“ So spart das Gerät bis zu 80 Prozent Strom. Ähnlich sei es bei der Waschmaschine oder beim Wäschetrockner.

Das Heizen mit Öl bezeichnet Leukefeld als „fossilen Furz“. Durch die Verknappung von fossilen Energieträgern würden die Energiepreise langfristig schneller steigen als unsere Einkommen. Dann dürfte es für viele Menschen in Deutschland schwer werden, den gewohnten Lebensstandard zu halten –besonders im Alter, warnte er. „Es gilt deshalb, in seinem Haus schrittweise vorzusorgen, durch kluge Investitionen in die dauerhafte Senkung der Ausgaben für Wärme, Strom und Auto-Mobilität.“ Das sei der Schlüssel zu einer echten Energiewende. Der einseitige Ausbau von subventionierten Fotovoltaik- und Windkraftanlagen führe in eine Sackgasse, weil die bestehenden Stromnetze diese schwankenden Eingangslasten nicht verkraften könnten. 80 Prozent der Energiekosten in einem Gebäude entfallen auf Wärme, nur 20 Prozent auf Strom. Leukefeld wirbt für eine dezentrale Energieversorgung und intelligente Haustechnik. „Wenn wir es schaffen, die Eingangsenergie für das Heizen, für den Strom und für das Autofahren kostenlos und umweltfreundlich aus Sonnewärme (Solarthermie) bereitzustellen, können wir Energie sogar intelligent verschwenden. „Wenn es gelingt, die Sonnenwärme im Überfluss zu erzeugen und diese über Monate vom Sommer in Energiespeichern im Haus für den Winter aufzubewahren, dann kann ich die Wohnung komfortabel auf 23 Grad aufheizen.“ Es kostet mich nichts. „Wenn ich Solarstrom erzeuge, in einem Akku speichere und LED-Lampen habe, dann kann mein Sohn das Licht oder den PC anlassen, obwohl er nicht mehr im Zimmer ist.“ Und wenn ich mit dem selbst erzeugten Solarstrom mein Elektroauto betanke kann ich lustvoll mit gutem Gewissen wieder viele Kilometer fahren.“ Solche Häuser gibt es bereits, sie kosten in der Anschaffung zwar etwas mehr – rund 450000 Euro – doch durch die weiter steigenden Stromkosten die andere Hausbesitzer zahlen müssen, mache sich das rasch bezahlt. Die meisten Solarhäuser müssten in den Wintermonaten zusätzlich teuren (aus fossilen Rohstoffen) erzeugten Strom zum Heizen aus dem Netz beziehen.

Ein Umdenken auch in den Köpfen der Politiker sei nötig. Es sei alles eine Frage der Motivation: „Selbst ein 90-jähriger kann noch Chinesisch lernen. Aber nicht mehr in der Volkshochschule, sondern wenn er sich in eine attraktive 60-jährige Chinesin verliebt.“

Von Lothar H. Neff

Am 07.04.2015

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