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IMMO 2016: „Bei jedem ist etwas zu holen“

Die hohen Einbruchszahlen der vergangenen Jahre haben viele Bürger verunsichert. Uwe Heintz informiert mit der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle über Risiken – und verrät im PZ-Gespräch, wie sich jeder günstig und wirkungsvoll vor Einbrechern schützen kann.

IMMO 2016: „Bei jedem ist etwas zu holen“

Spuren hinterlassen Einbrecher oft nicht nur in der Wohnung, sondern auch in der Seele ihrer Opfer.Polizeiliche Kriminalprävention

Die hohen Einbruchszahlen der vergangenen Jahre haben viele Bürger verunsichert. Uwe Heintz informiert mit der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle über Risiken – und verrät im PZ-Gespräch, wie sich jeder günstig und wirkungsvoll vor Einbrechern schützen kann.

PZ: Herr Heintz, wie haben Sie Ihr Zuhause gesichert?

Uwe Heintz: Ich habe ältere Fenster, die mit Zusatzschlössern gesichert sind. Und vor allem achte ich darauf, ab der Dämmerung eine Beleuchtung im Haus an zu haben. So dass man von außen immer den Eindruck hat, es sei jemand Zuhause. Das lässt sich ohne großen Aufwand mit einer Zeitschaltuhr einrichten.

Bringen solche Investitionen überhaupt etwas? Lässt sich nicht jede Sicherung knacken?

Grundsätzlich lässt sich natürlich jeder Einbruchsschutz überwinden. Aber die Erfahrung hat gezeigt, dass Einbrecher sehr schnell einsteigen, in maximal zwei Minuten. Bei ungesicherten Fenstern geht das schon in zehn Sekunden. Daher versuchen wir mit erster Priorität, die Fenster und Türen so zu verstärken, dass man sie nicht in dieser kurzen Zeit öffnen kann. Um dann noch das Restrisiko zu minimieren, ist eine Alarmanlage natürlich eine Möglichkeit.

Waskostetdiemechanische
Sicherung?

Einfache Zusatzschlösser beginnen bei 30, 40 Euro. Wenn man etwas technisch Aufwändiges möchte, sind nach oben hin natürlich keine Grenzen gesetzt. Aber für 200, 300 Euro kann man ein Fenster schon hervorragend sichern.

Welche Maßnahmen sind nach oben hin denkbar – wenn Geld keine Rolle spielt?

Dann würde man DIN-genormte, einbruchshemmende Fenster einbauen. Oder man stattet die Fenster mit einem zusätzlichen innenliegenden Aushebeschutz aus.

Oder man leistet sich gleich einen Sicherheitsdienst...

Das finde ich zwar grundsätzlich in Ordnung. Aber der Sicherheitsdienst kann ein Objekt ja in der Regel auch nicht rund um die Uhr bewachen. Ein mechanischer Schutz und eine Alarmtechnik wirken dagegen immer.

Die Zahl der Einbrüche steigt im Enzkreis und dem Landkreis Calw seit Jahren an, in Pforzheim ging sie 2015 erstmals seit langem wieder zurück. Wie ist die aktuelle Entwicklung?

Der Trend ist so, dass wir in Pforzheim und dem Enzkreis einen deutlichen Rückgang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum haben. Allerdings steht die dunkle Jahreszeit bevor. Erfahrungsgemäß gehen die Einbrüche ab der Zeitumstellung wieder hoch.

Im Enzkreis gab es 2015
363 Wohnungseinbrüche, in Pforzheim 207, im Kreis Calw 178. Wie viele davon gelingen?

47Prozent dieser Versuche sind nicht gelungen. Der Anteil der gescheiterten Versuche steigt an, weil die Bewohner auf- und nachrüsteten.

Wie viele Einbrecher werden geschnappt – und verurteilt?

Verurteilungszahlen kenne ich nicht, aber die sind meist verhältnismäßig gering. In Pforzheim wurde bei 24 Prozent der Einbrüche ein Verdächtiger gefasst, das ist im Landesvergleich relativ viel. Allerdings reden wir hier von 30Tatverdächtigen. Das heißt: Prozentwerte können schon durch die Verhaftung eines Intensivtäters extrem schwanken.

Letztes Jahr waren in der Region viele junge georgische Männer für Einbrüche verantwortlich. Tut sich auch 2016 eine bestimmte Tätergruppe hervor?

Dazu haben wir noch keine Auswertungen. Die kommen nächstes Jahr mit der Kriminalstatistik.

Lassen Sie uns abschließend einige Einbruchs-Mythen abklopfen. Erstens: Einbrecher schlagen nachts zu.

Vollkommen falsch. Firmeneinbrecher brechen nachts ein, Wohnungseinbrecher zum größten Teil tagsüber zwischen 15 und 20 Uhr. Im Winter ist es da dunkel und viele Leute sind nicht zu Hause – optimal zum Einbrechen.

Zweiter Mythos: Einbrecher sind gewalttätig.

Normalerweise nicht. Es gibt zwar Ausnahmen. Aber in 95 bis 98 Prozent der Fälle sind die Opfer nicht daheim. Und in den restlichen Fällen, die mir aus der Region bekannt sind, ist der Einbrecher geflohen, als er auf jemanden traf. Sein Plan B ist meist die Flucht.

Drittens: Einbrecher spionieren ihre Opfer über Internet aus.

Diese Zahlen werden nicht erhoben. Aber ich gehe davon aus, dass relativ wenig ausspioniert wird. Ein Einbrecher sucht sich zwar im Vorfeld ein Gebiet aus. Aber dann fährt er dort durch, stellt fest, welches Haus dunkel ist, klingelt zweimal – und wenn niemand aufmacht, hat er ein leeres Objekt gefunden. Die Entscheidung wird also spontan vor Ort getroffen.

Vierter Mythos: Einbrecher nutzen geheime Zeichen.

Unseren Erkenntnissen nach nicht. Es gibt zwar immer wieder Hinweise auf angebliche Gaunerzinken. Aber einen Zusammenhang zu Einbrüchen können wir nicht feststellen. Die Zeichen kommen eher aus der Landstreicher-Bettelei: Als Notizen, wo nette Leute sind – und wo nicht.

Und Mythos Nummer fünf: „Bei mir ist es eh nichts zu holen.“

Das sieht man einem Haus ja nicht von außen an. Und: Bei Jedem ist etwas zu holen – und wenn es nur Schmuck für ein paar Hundert Euro ist. Somit stimmt die Aussage nicht. Daran ändert auch nichts, wenn man versichert ist. Denn die größte Belastung ist die psychische: Das mulmige Gefühl, wenn ein Einbrecher etwa im Schlafzimmer war und alles angetatscht hat.

Von Das Gespräch führte Simon Walter

Am 22.09.2016

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