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Plüsch und Purismus

Sofas in allen Formen, kleine Tische und lange Tafeln. Grünes wird gehypt, und Blau bleibt beliebt. Wo alles irgendwie möglich ist, fragt man sich: Was sind die großen Trends?

Plüsch und Purismus

Ein herrlich bequemes Sitzmöbel, dazu etwas Nüchternheit – so finden sich Plüsch und Purismus in einem Raum zusammen.Kare/dpa

Geht es nach Ursula Geismann, wird es kein Entweder-Oder geben. Es werden 2017 „Plüsch und Purismus“ zusammen im neu eingerichteten Wohnzimmer stehen. Seite an Seite der nüchterne Stahlrohrstuhl mit glatter Schale und das Barocksofa mit weichen Rundungen und flauschigen Stoffen – und das unter dem goldenen Lüster. Geismann, die Trendexpertin der deutschen Einrichtungsbranche, hat sich die Neuheiten auf der Internationalen Möbelmesse IMM Cologne angesehen und erwartet als großen neuen Trend eine Fusion von gemütlichem Kitsch und der Nüchternheit des Bauhauses. Doch warum ist das jetzt im Trend? Dazu muss man drei Fragen stellen.

Warum ist ausgerechnet Plüschiges und Schnörkeliges im Trend?

Die Antwort: Weil wir die Formsprache als angenehm empfinden, wie Geismann erklärt. Sie ist Sprecherin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie. „Weil wir damit Wärme und Gemütlichkeit assoziieren.“ Und danach sehnten sich die Menschen derzeit stark.

Denn Trends basieren schließlich darauf, was die Menschen gerade tief in ihrem Inneren anspricht. Die Industrie greift das auf und bietet das zur Stimmung der Gesellschaft passende Produkt an. Derzeit sei das unter anderem die Sehnsucht nach Sicherheit und der Rückzug ins Zuhause, so Geismann.

Und doch verraten Branchenexperten, dass viele Hersteller im Jahr 2017 auch auf einen sehr nüchternen, reduzierten Wohnstil setzen werden, etwa im Stil des Bauhauses – das Gegenteil von Plüsch. Also stellt sich hier die zweite Frage.

Warum ist denn derzeit der Purismus so gefragt?

Die Antwort: Weil er ebenfalls dem Zeitgeist entspricht und ein weiteres Bedürfnis der Menschen erfüllt. Seit einigen Saisons schon beziehen Designer viele ihrer Ideen aus der Vergangenheit, lassen alte Formen wieder aufleben. Als Folge des Verkauferfolgs bedienen sich die Firmen nun an der Produktpalette der 1920er- und 1930er-Jahren, und darin vornehmlich dem Bauhausstil. „Es geht zurück indie Zeit vor dem Internet“, erklärt die Trendanalystin die Rückwärtsrolle der Branche, die schon seit einigen Jahren anhält. Zwar ist der Sprung ab Beginn der Massenverbreitung des Internets um 1996 bis in eine Stilwelt komplett ohne Digitalisierung um die 1920er-Jahre ziemlich groß, doch man muss es symbolisch verstehen: Es geht zu Hause optisch in eine Welt ohne die moderne Hektik und die Schnelligkeit der neuen Medien. Bleibt die dritte Frage.

Warum beides – Plüsch und Purismus nebeneinander?

Die Antwort: Weil man kann. Weil man auf eines der beiden nicht verzichten will. Weil einem beide Stile aus der Seele sprechen. Aber es gilt auch: Wer eben nicht darauf steht, wählt dann doch nur eine Richtung aus, oder er lässt beides ganz weg. Dieses „Weil man kann“ – das ist eigentlich gerade die Antwort auf jede Trendsuche. Denn der im Moment über allem schwebende Mega-Trend der Möbelbranche ist die Individualisierung. Alles ist möglich. Und jeder macht in seiner Wohnung sowieso, was er eben will. „Wir können daher auch nicht mehr von dem einen großen Trend für das Jahr sprechen“, sagt Geismann. Das hört auch nicht bei Plüsch und oder Purismus auf.

Von PZ-Mitarbeiterin Simone A. Mayer

Am 27.01.2017

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