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Wohnen in der Fabriketage

Luftige Räume, kaum Wände und riesige Fenster: Lofts sind begehrt. Rückzugsräume lassen sich durch geschickte Möblierung schaffen.

Wohnen in der Fabriketage

Von der Werkshalle zur großzügigen Loftwohnung: Die wichtigste Regel beim Umbau der Fläche ist, das großzügige Raummaß nicht zu reduzieren. Remmers

Früher verschweißten hier schwitzende Bauarbeiter Metall oder Getränkeflaschen wurden am Fließband zur Befüllung geschoben: Ehemalige Fabrikhallen werden heute gerne zum Wohnraum umgebaut. In den großzügigen Lofts mit hohen Wänden herrscht eine urbane Atmosphäre, was besonders Designorientierte und Künstler schätzen. Solche Immobilien sind auf dem Markt hartumkämpft.

Laut dem Augsburger Architekt Thomas Drexel nimmt das Angebot an den industriellen Altbauten immer mehr ab, während die Nachfrage gleichbleibend hoch sei. Er empfiehlt daher simpel und einfach: den Wohnungsmarkt regelmäßig im Auge behalten. Aber es gibt Tricks: Ab und zu fänden sich auch Angebote auf den Seiten der Landesämter für Denkmalpflege, verrät der Fachbuchautor.

Tut sich ein vielversprechendes Objekt auf, sollte jedoch nicht blind der Kauf- oder Mietvertrag unterschrieben werden. „Es ist wichtig, dass man zur Schätzung des energetischen Sanierungsbedarfs einen Energieberater zurate zieht“, sagt Semling. Auch ein Handwerker oder Innenarchitekt könne bei der Besichtigung dabei sein. Achten sollte man auch darauf, dass keine Schadstoffe von der früheren Nutzung des Industriegebäudes zurückbleiben. Vom Verkäufer solle man sich daher eine Altlastenfreiheit vertraglich zusichern lassen, um diese gegebenenfalls auch einfordern zu können.

Die wichtigste Regel beim Einrichten eines Lofts ist laut Drexel, das großzügige Raummaß nicht zu reduzieren. Damit Lofts dennoch übersichtlich und gemütlich wirken, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, um den Wohnraum zu strukturieren: Es ließen sich etwa problemlos verschiedene Ebenen durch Galerien einbauen. Ursula Geismann, Trendanalystin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie, empfiehlt, Themeninseln im Raum zu bilden, so dass sich Wohn-, Ess- und Schlafzonen ergeben. Zur Abgrenzung sind keine Wände nötig: „Man kann beispielsweise Möbel aufstellen, die von zwei Seiten nutzbar sind. Da befindet sich etwa auf der einen Seite ein Regal und auf der anderen ein Fernseher“, erklärt sie. Auch mit Licht können Raumteile abgetrennt werden, etwa mit Hilfe einer Lichtschiene, die unter der Decke angebracht ihre Strahlen senkrecht nach unten wirft.

Bei der Einrichtung gilt es, Stilbrüche zu vermeiden. „Lofts haben meist einen industriellen Charakter. Deshalb sollten die Möbel nicht zu verschnörkelt sein. Ein sorgfältig restaurierter Schrank aus der Biedermeierzeit eignet sich beispielsweise nicht“, erklärt Drexel. Auch Vorhänge beißen sich mit dem Stil des Lofts. Wer auf Sichtschutz am Fenster nicht verzichten will, sollte zu schwerem Leinenstoff greifen.

Damit die Möbel zur innenarchitektonischen Sprache eines Lofts passen, empfiehlt Drexel Stücke, die gebraucht wirken. Gegenstände aus Fabrikräumen wie alte Leuchten oder Werkbänke mit abgeschlagenen Ecken und Kanten unterstreichen den industriellen Charakter. Semling rät zudem, darauf zu achten, dass es im Raum ein Wechselspiel zwischen Groß und Klein gibt. „Man sollte mindestens zwei imposante Stücke haben, denn nur kleine Möbel in einem großen Raum ergeben kein gutes Bild“, erklärt sie. Daneben müssten viele Möbel auch von hinten schön aussehen. Schließlich stehen Sofas und Regale oft frei im Raum.

Bei aller Offenheit in den Räumen ist es laut Geismann aber wichtig, sich Rückzugsorte zu schaffen: „Man kann Möbel so aufstellen, dass sie einen abgetrennten Bereich bilden.“

Von Maria Fiedler | Augsburg

Am 30.07.2012

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